Corona-Schnelltests dürfen in Spitälern seit Montag eingesetzt werden – doch so einfach ist das nicht

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Quelle: bz Basel

Seit Montag dürfen die Corona-Schnelltests eingesetzt werden. Doch die meisten Spitäler sind erst in der Vorbereitung. Wann die ersten Tests eingesetzt werden, können sie noch nicht sagen.

Nach 15 bis 20 Minuten liegen die Resultate vor. Der Corona-Schnelltest darf seit Montag in in der Schweiz offiziell eingesetzt werden. Wie der Name es sagt, ist er in Sachen Geschwindigkeit dem herkömmlichen PCR-Test weit voraus. Dieser wird im Labor durchgeführt. Bei der derzeit hohen Nachfrage muss derzeit oft deutlich mehr als 24 Stunden auf das Resultat gewartet werden. Schnelltests können vor Ort gemacht werden, sie sind aber etwas weniger genau als PCR-Tests.

Doch nun zeigt sich, dass Schnelltests trotz des grünen Lichts des Bundes nicht so rasch eingesetzt werden dürften. Dies zeigen Nachfragen bei mehreren grossen Spitälern. «Der Einsatz der neuen Schnelltests im Universitätsspital Zürich ist noch nicht abschliessend festgelegt», sagt eine Sprecherin. Einen bestimmen Zeitpunkt kann das Spital auf Nachfrage nicht nennen.

Ganz ähnlich antwortet das Berner Inselspital: «Die Einführung der Schnelltests bedarf einer Anzahl von Veränderungen in der Planung und auch in der Infrastruktur», sagt ein Sprecher. Die Insel Gruppe plane in Varianten. «Wir müssen zuerst Abläufe, Personal, Infrastruktur, Hygienefragen und die Kommunikation optimal aufeinander abstimmen, um Antigen-Tests anbieten zu können», sagt der Sprecher. Und auch hier heisst es: «Wann es soweit ist, ist noch nicht definiert.»

Der Kanton Luzern hat die ersten Schnelltests erhalten

Das Drive-In-Testzentrum auf der Luzerner Allmend wurde aufgrund der hohen Nachfrage Mitte Oktober wieder in Betrieb genommen.
Das Drive-In-Testzentrum auf der Luzerner Allmend wurde aufgrund der hohen Nachfrage Mitte Oktober wieder in Betrieb genommen.© Eveline Beerkircher

Auch die Spitäler in St. Gallen und Luzern arbeiten derzeit noch an der Umsetzung. Mehr ist deshalb zurzeit nicht in Erfahrung zu bringen. Der Kanton Luzern seinerseits hat am Freitag eine erste Sendung mit Schnelltests erhalten, wie eine Sprecherin des Gesundheits- und Sozialdepartement sagt. Der kantonale Führungsstab habe letzte Woche besprochen, dass in erster Linie die Spitäler sowie die kantonalen Testcenter beliefert werden sollen. Abhängig von der Verfügbarkeit würden auch weitere Leistungserbringer die Schnelltests erhalten.

Das Kantonsspital Aarau hat die Schnelltests bestellt, aber noch keinen Liefertermin, wie eine Sprecherin sagt. Das Spital nutze die Zeit, um die Abläufe und alles weitere für die Schnelltests vorzubereiten. Dafür seien zusätzliche personelle Ressourcen nötig, «die wir aktuell erfolgreich am Rekrutieren sind».

Gesundheitsminister Alain Berset kündigte vergangene Woche an, dass neben den 30’000 PCR-Tests künftig 50’000 Schnelltests zur Verfügung stehen werden.

Unispital Basel setzt derzeit voll auf die herkömmlichen Tests

Das Unispital Basel wird vorerst keine Schnelltests durchführen, wie ein Sprecher sagt. Die Kapazitäten der herkömmlichen PCR-Tests seien noch nicht ausgeschöpft. Derzeit würden im Schnitt pro Tag etwa 500 Test durchgeführt, die Kapazität betrage jedoch 750. «Es ist daher aus unserer Sicht nicht sinnvoll, einen weniger verlässlichen Test einzusetzen», sagt der Sprecher weiter. Das Unispital schliesse jedoch nicht aus, die Schnelltests zu einem späteren Zeitpunkt einzusetzen.

Menschen stehen Schlange vor dem Covid-19 Testzentrum des Universitätsspitals in Basel.
Menschen stehen Schlange vor dem Covid-19 Testzentrum des Universitätsspitals in Basel.© Georgios Kefalas / Keystone

Gesundheitspolitikerin Ruth Humbel hatte keine Freunde am gemächlichen Tempo. «Ich bin erstaunt, dass die Infrastruktur für die Schnelltests nicht bereits im Vorfeld von den Kantonen aufgebaut wurde», sagt die Aargauer CVP-Nationalrätin. Dies habe nun zum Teil erneut chaotischen Zuständen verursacht, was zur Verunsicherung führe. Humbel meint damit vor allem die Grundversorger wie Ärzte und Apotheker. «Für mich ist schwer verständlich, weshalb der Bund die Grundversorger in dieser und anderen Fragen nicht stärker einbindet.»

In den Arztpraxen dürfte der Schnelltest nicht so rasch zum Einsatz kommen. Die Ärztegesellschaft FMH rät ihren Mitgliedern vorläufig ab, diese Tests einzusetzen, wie die NZZ am Sonntag mit Verweis auf ein E-Mail an die Mitglieder des Verbands schreibt.

FMH-Präsident Jürg Schlup ist zwar nicht grundsätzlich gegen die Tests. Sie sollten jedoch vorläufig noch nicht eingesetzt werde, weil die Sensitivität im Vergleich zum PCR-Test noch ungenügend dokumentiert sei. Der Bund dagegen schreibt jedoch, dass eine Sensitivität von über 87 Prozenten zu erwarten sei. Das heisst: Von 100 Menschen, die mit Corona infiziert sind, erkennt der Test 87 Prozent.

Bis Ende Jahr jede dritte Apotheke

Die Apotheker dagegen zeigen keine Skepsis. Der landesweite Pharmasuisse geht in einer ersten Einschätzung davon aus, dass bis Ende Jahr etwa ein Drittel aller Apotheken Schnelltests durchführen werden. Das wären rund 600. «Das war unsere erste Schätzung letzte Woche, vielleicht sind es auch weniger», teilt ein Sprecher des Verbands mit. Es brauche separate Räumlichkeiten für den Test. Das Personal müsse zwingend auf den Nasen-Rachen-Abstrich geschult werden, damit der Corona-Schnelltest angeboten werden dürfe.

Und wann es ist es soweit? Der Schnelltest werde schrittweise eingeführt. Am ehesten seien einige Apotheken in den Kantonen Zürich und Schaffhausen soweit. Zwei bis drei Wochen seien wohl realistisch für das Ausrollen der Testmöglichkeit, wenn man für die Mehrheit der Kantone sprechen wolle, schreibt Pharmasuisse weiter.

Die Aargauer CVP-Nationalrätin Ruth Humbel.
Die Aargauer CVP-Nationalrätin Ruth Humbel.© Gaetan Bally / Keystone

Es sei an sich toll, dass jede dritte Apotheke im Land Schnelltests anbieten werde, sagt Ruth Humbel. Dennoch findet die Gesundheitspolitikerin: «Das muss schneller gehen.» Erstaunt ist sie über die Haltung der Ärztegesellschaft FMH. Das schaffe zusätzliche Verunsicherung. Natürlich könne über die Zuverlässigkeit der Schnelltests diskutiert werden. «Wir können jedoch in dieser Krise nicht immer auf eine perfekte Lösung warten.»

Allenfalls sei das Bundesamt für Gesundheit besser beraten, direkt mit dem Verband Haus- und Kinderärzte Schweiz die Einführung der Schnelltests an die Hand zu nehmen.

Quelle: bz Basel