Konkurswelle verschont die Ostschweiz – doch wie lange noch?

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KMU-Wirtschaft
Quelle: bz Basel

Seit Beginn der Coronakrise geht die Angst vor einer Konkurswelle um. Sie ist weitgehend ausgeblieben – im Oktober gibt es in einigen Regionen der Schweiz tatsächlich höhere Zahlen. Ostschweizer Konkursämter verzeichnen aber eher Rückgänge.

Die Coronapandemie hat unterdessen die zweite Welle erreicht. Noch wenig zu sehen ist hingegen von der Konkurswelle, vor der viele schon seit Beginn der Pandemie warnen. Die KOF, die Konjunkturforschungsstelle der ETH, sieht zwar in Zürich und der Nordwestschweiz erste Signale dafür, dass sie nun kommt. Aber in der Ostschweiz ist sie noch in weiter Ferne.

St. Gallen rechnet mit steigenden Zahlen

Urs Benz, Leiter des kantonalen Konkursamtes St. Gallen verzeichnete seit Anfang Jahr erst 612 Konkurse, 37 weniger als im Jahr zuvor. «Die Massnahmen, die beschlossen wurden, wie die Überbrückungskredite, Kurzarbeit, und die Covid-19-Stundungen haben gegriffen», sagt Benz.

Wir gehen aber davon aus, dass die Zahlen in den nächsten Monaten steigen werden.

© CH Media
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Denn auch die zweite Welle werde wirtschaftliche Auswirkungen haben, je nach Branche aber unterschiedlich ausfallen. Die Massnahmen gegen den Virus belasten insbesondere die Gastronomie. «In dieser Branche gibt es jedes Jahr vergleichsweise viele Konkurse», sagt Benz. Es dürfte auch in der Coronakrise vor allem die Firmen treffen, die wenig Polster haben.

Massnahmen des Bundes greifen

Einen Rückgang der Konkurse gibt es auch im Thurgau. Der ist sogar noch deutlicher als im Kanton St. Gallen. Die Zahl der Firmenkonkurse ist bis jetzt mit 106 13 Prozent unter dem Vorjahr. Auch für Roger Wiesendanger, Amtsleiter des Amtes Betreibungs- und Konkurswesen des Kantons Thurgau, ist das ein Zeichen dafür, dass Unterstützungsmassnahmen wie die Covid-Kredite gewirkt hatten. «Es ist gut, wenn dies so ist», sagt er. Denn Firmenkonkurse bedeuteten meist auch einen Verlust von Arbeitsplätzen.

Coronakrise trifft Taxifahrer hart

Bis im Sommer hatten eher weniger Firmen in der Schweiz Konkurs angemeldet als üblich. Im Oktober zeigen die Kurven laut dem Firmenkonkurs-Monitoring der Konjunkturforschungsstelle der ETH (KOF) aber in zwei Regionen deutlich nach oben: in Zürich sowie in der Nordwestschweiz. Den Ausschlag gaben aber nicht Betriebe im Gastgewerbe oder der Kultur. Betroffen seien eher Coiffeursalons, Gebäudereinigungsfirmen und besonders Betriebe aus den Branchen Verkehr und Logistik. Dazu gehören auch Taxiunternehmen.

Diese leiden auch in der Ostschweiz an der Coronakrise. «Uns hat es stark getroffen», sagt David Holenstein, Co-Geschäftsführer der St. Galler Taxifirma Herold. «Restaurants und Hotels gehören zu unseren wichtigsten Kunden», sagt er. Fehlen dort die Gäste, gibt es für Taxibetreiber nur noch wenig zu tun. Zum Teil seien bis zu 90 Prozent weniger Fahrten zu verzeichnen wie üblich. «Auch weil Restaurants und Bars früher schliessen», sagt Holenstein. Das merke man auch, wenn die Olma oder bald die Weihnachtsessen ausfallen.

Herold ist die grösste Taxifirma der Region. «Wir halten durch», sagt Holenstein. Aber grad kleinere Konkurrenzen seien seltener unterwegs als sonst. «Wenn es so weitergeht, müssen auch wir uns fragen, ob wir die eine oder andere Schicht streichen.»

Ob die Lage stabil bleibt, sei kaum zu sagen. «Ich will keine Prognosen anstellen. Mir ist es recht, wenn es so bleibt», sagt Wiesendanger. Deutlich tiefer als in den Vorjahren sind auch die Zahlen der Thurgauer Bezirksbetreibungsämter: Sie erliessen dieses Jahr bis jetzt 51 452 Zahlungsbefehle, 12 Prozent weniger als 2019. Um jeweils einen Fünftel gegenüber demselben Zeitraum 2019 gingen auch die Pfändungen und Verwertungen zurück.

Ein Coronakonkurs in Ausserrhoden

Auch in Ausserrhoden deutet sich keine Konkurswelle an. «Bis heute hatten wir dieses Jahr 96 Konkurse», sagt Amtsleiter Claudius Platzer. «Damit steuern wir auf eine ähnliche Zahl zu wie 2019.» Damals gab es 112 Konkurse in Ausserrhoden, ein Wert im üblichen Rahmen. Von einer Konkurswelle wegen der Coronakrise könne man also nicht reden. Platzer sagt:

Wir hatten erst einen Konkurs, den eines Restaurants, der auf Corona zurückzuführen war»,

Die Pandemie und die Massnahmen dagegen mache vielen Betrieben Schwierigkeiten. «Aber wir sind froh, dass es nicht zu vielen Konkursen kommt.»

Quelle: bz Basel