Nicht mehr profitabel genug: Nach über 100 Jahren könnten die Halter Bonbons aus den Regalen verschwinden

0
108
KMU-Wirtschaft
Quelle: bz Basel

Seit 16 Jahren gehört die Firma Halter zur Zürcher Familienholding F. Hunziker. Weil die bunten Bonbons für den Mutterkonzern nicht mehr rentieren, überdenkt er nun das komplette Sortiment. Die Firma will dabei immer mehr auf Täfeli mit medizinischen Zusatzstoffen setzen.

Wer kennt sie nicht, die süssen und bunten Bonbons der Firma Halter: Apfel, Melone, Kirsche oder die frische Polar-Variante mit dem Eisbären auf der Packung. Auch die Caramels oder die «Haschi»-Kräuterbonbons des Unternehmens sind schweizweit beliebt. In den vergangenen Jahren sind die Täfeli aber aus immer mehr Regalen verschwunden. Nun könnte es mit den ikonischen Produkten bald vorbei sein. Zumindest teilweise.

Ob Zahnarzt Meier oder Nachbarin Müller. Wer die Täfeli schon einmal bestellt hat, gehört zu den Privatkunden der Firma. Diese erhielten am Dienstag nun allesamt eine E-Mail mit der Aufforderung, man solle seinen Vorrat an Lieblings-Bonbons aufstocken. Schlussverkauf. 40 Prozent Rabatt. Bis zum 15. Dezember. Ende Jahr werde dann die Geschäftstätigkeit eingestellt. Nicht wenige werden wohl leer geschluckt haben. Was ist passiert? Verschwinden die bunten Bonbons? Hat Corona dem Unternehmen den Garaus gemacht? Fragen über Fragen.

Colette Schilling wirft nun etwas Licht ins Dunkel. Sie ist die Firmenchefin der F. Hunziker + Co AG – dem Unternehmen, das die Halter Bonbons AG im Jahr 2004 übernommen hatte. Migros-Kunden kennen die Firma beispielsweise auch für die «Gomz»-Schleckwaren oder das Eistee-Pulver. Schilling gibt Entwarnung. Nein, die Firma werde nicht aufgelöst. Nein, es gebe keine Entlassungen. Und nein, Corona treffe keine Schuld. Auch die Täfeli verschwinden nicht sang und klanglos.

Der Konsument will mehr als nur ein süsses Bonbon

Man habe nur die Privatkunden informieren wollen, dass sie künftig keine Bonbons mehr bestellen können. In den Regalen von Coop, Volg oder Ottos werden sie aber nach wie vor zu finden sein. Die Hunziker will zudem baldmöglichst einen eigenen Online-Shop in Betrieb nehmen. «Es ist gut möglich, dass wir die Halter-Produkte dann dort anbieten», sagt Schilling. Festlegen möchte sich die Chefin aber nicht.

Die Schleckwaren rentieren nämlich nicht mehr so wie früher – vor allem solche Kleinstmengen, wie sie eben häufig von Privatkunden bestellt werden, seien nicht mehr profitabel genug. Seit Jahren hätten die Halter Bonbons an Marktvolumen eingebüsst und immer weniger Händler hätten auf die Schweizer Traditionstäfeli gesetzt. «Früher musste ein Bonbon einfach nur süss sein. Heute ist der Konsument anspruchsvoller», sagt Schilling. Er möchte Zusatznutzen, Vitamine, Nährstoffe, alles in einem.

Die Firma Hunziker setzt deshalb seit Jahren verstärkt auf Nahrungsergänzungsmittel in Form von Fruchtgummis, Kaubonbons und Lutschpastillen. Eine erste Eigenmarke hat das Zürcher Unternehmen ebenfalls bereits lanciert: Die Bonbons der Marke «Health-iX» beinhalten unter anderem Vitamine für das Immunsystem oder Calcium für starke Knochen. Und auch im Halter-Sortiment gab es diesbezüglich schon Innovationen: Die sogenannten «Haschi-Chews» sind mit verschiedenen Vitaminen, Folsäure oder Koffein angereichert. Es gibt sie in den Aromen Kaffee, Zitrone und Ingwer.

Idee für die Zukunft: Das Haschi mit Magnesium

Jetzt müssen auch die Halter Bonbons daran glauben. Sie sollen künftig mehr beinhalten als nur Zucker. «Aktuell überprüfen wir das gesamte Sortiment und entscheiden dann, ob und in welcher Form wir die einzelnen Halter Produkte weiterführen wollen», sagt Schilling. Einzelnen, weniger beliebten Bonbons droht also tatsächlich das Aus. Andere könnten es auch weiterhin in die Regale schaffen. Wenn auch möglicherweise in einem anderen Format.

Statt dem traditionellen Haschi-Kräuterbonbon gibt es in Zukunft dann vielleicht das Haschi Magnesium Plus. Wer weiss. Sicher ist einzig: Weder das Haschi noch die Halter Bonbons verschwinden komplett. «Den Markennamen geben wir auf keinen Fall her», sagt Schilling. Schliesslich stehe er für eine traditionsreiche Süssigkeit und Nostalgie.

Quelle: bz Basel