Wer nicht ins Heim geht, erhält zu Hause oft zu viele Beruhigungsmittel

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Medikamente zu Hause KMU-Wirtschaft
Quelle: bz Basel

Immer mehr Menschen wollen ihren Lebensabend zu Hause verbringen. Dabei komme es oft zu Übermedikationen, warnt die Krankenkasse Helsana nach einer Analyse ihrer Daten.

(wap) Seit 2013 sind die Medikamentenbezüge von Spitex-Patienten drastisch gestiegen. Dies zeige eine Analyse der eigenen Daten, schreibt die Krankenkasse Helsana am Mittwoch in einer Mitteilung. Die Zunahme betrage insgesamt 47,7 Prozent. Hintergrund sei, dass heute mehr Menschen den Lebensabend zu Hause verbringen möchten und deshalb vermehrt Spitex-Hilfe in Anspruch genommen werde.

Auch bei der Pflege in den eigenen vier Wänden brauche es eine «periodische, systematische Überprüfung der verordneten Medikamente», schreibt die Helsana. Denn den zu Hause gepflegten Menschen werden von ihren Ärzten oft mehr Medikamente verschrieben, als Patienten, die in Heimen gepflegt werden. Nimmt dort ein Bewohner im Durchschnitt neun Medikamente gleichzeitig ein, sind es bei den Spitex-Patienten deren 16. Dabei würde schon die gleichzeitige Einnahme von mehr als fünf Medikamenten als problematisch eingestuft, schreibt die Helsana.

Viele Pflegebedürftige erhalten zu Hause Benzodiazepine

Die Krankenkasse untersuchte auch, welche Medikamente den zu Hause gepflegten Patienten verschrieben werden. Dabei habe sich bei 47,8 Prozent der Patienten ein «Langzeitbezug einer potenziell inadäquaten Medikation» gezeigt. Dabei gehe es um Schlafmittel, insbesondere sogenannte Benzodiazepine. Diese wirken stark beruhigend und haben ein grosses Abhängigkeitspotenzial.

Die Helsana weist in der Mitteilung darauf hin, dass falsche Medikation das Hospitalisierungsrisiko und die Mortalität erhöhten. Sie warnt in der Mitteilung vor «gefährlichen Medikamenten-Cocktails».

Ferner untersuchte die Helsana in einem Arzneimittelreport die Kosten, die Medikamente im Gesundheitssystem verursachen. 2019 beliefen sich die Medikamentenkosten demnach auf 7,6 Milliarden Franken. Die höchsten Kosten verursachten Krebs- und Immunsystem-Mittel. Grosses Einsparungspotenzial bestehe bei der Nutzung von Nachahmerpräparaten. Dieses bleibe nach wie vor weitgehend ungenutzt.

Quelle: bz Basel